Wolfgang Amadeus Mozart, 1780/81, Barbara Krafft
Foto: Ruth Plössel
Eingangsbereich, Foto: Christian Menkel
Kutsche, Foto: Christian Menkel
Johann Nepomuk della Croce, Maria Anna und Wolfgang Amadeus Mozart

Leopold-Mozart-Haus

In Leopold Mozarts Geburtshaus in der Frauentorstraße können Besucherinnen und Besucher jeden Alters Mozarts Vater und seine Welt aktiv kennenlernen. Die Dauerausstellung lädt ein zum unmittelbaren und sinnlichen Erleben: In elf Themenräume finden sich unter anderem eine begehbare Reisekutsche, ein barockes Zimmertheater und ein Raum, der Musik spürbar macht.

Sinnliches und interaktives Gemeinschaftserlebnis prägen das neue Museum, dessen Erdgeschoss ab sofort barrierefreie Angebote bietet. Die Räume laden zum gemeinsamen Hören, Fühlen, Mitmachen und Erleben ein – sei es durch den begehbaren Nachbau der Reisekutsche der Mozarts, einen Raum zum Thema Musiklernen und Komponieren oder durch das neu gebaute Zimmertheater im Barockstil, das mit dem spielbaren historischen Stein-Flügel auch als Konzert- und Veranstaltungsraum dient. In einer Hörlounge kann man tief in die Welt von Leopold Mozarts Musik und die darin verwendeten kreativen Instrumente eintauchen. Es gibt Nachbildungen der vielfältigen Kleidung Leopolds sowie einen ‚Sinnesraum‘, der die Musik zur unmittelbaren, körperlichen Erfahrung werden lässt.

GESCHICHTE

Das heutige Leopold-Mozart-Haus war die Wohn- und Arbeitsstätte des Buchbinders Johann Georg Mozart. Hier wurde auch sein Sohn Leopold geboren. Erstmals wurde 1858 eine Gedenktafel am Haus angebracht, die auf die Verbindung der Familie Mozart mit der Stadt Augsburg hinwies. Auf Initiative des Augsburger Politikers Ludwig Wegele wurde hier 1937 ein Gedenkraum eingerichtet, der jedoch später wieder in eine Wohnung einging. 1951 erfolgte die erneute Einrichtung einer Gedenkstätte, die anschließend immer wieder Umgestaltungen und Erweiterungen erfuhr.

Seit 1996 ist das Mozarthaus auch Sitz der Geschäftsstelle der Deutschen Mozartgesellschaft. Nach Umbau- und Sanierungsmaßnahmen durch den Förderverein Mozarthaus im Jahr 2005 war im Gebäude von Januar 2006 bis 2018 eine neu konzipierte Dauerausstellung zu Leben und Werk Leopold Mozarts wie auch zu seiner Familie zu sehen, seit März 2020 ist eine nochmals komplett neu erdachte Dauerausstellung eröffnet. Das Museum wird seit 2006 von der Regio Augsburg Tourismus GmbH für die Kunstsammlungen und Museen Augsburg betrieben.

Pietro Antonio Lorenzoni, Porträt von Leopold Mozart

AUSSTELLUNG

Es ist eine besondere Herausforderung, eine Ausstellung über eine so vielfältige Figur zu konzipieren. Gleichzeitig ist das Raumangebot im alten Handwerkerhaus in der Frauentorstraße begrenzt. Eine zusätzliche Schwierigkeit stellt das Fehlen von Originalobjekten aus dem Besitz oder dem direkten Umfeld Leopolds dar. Aus dieser Not macht die Ausstellung eine Tugend: Leopold Mozarts unzählige und äußerst anschauliche Briefe sind Ausgangspunkt seiner Geschichte, die hier zeitgemäß und erlebnisorientiert transportiert in den elf Themenräumen zum Leben erweckt wird. Dabei spielt Leopold Mozart eine viel zentralere Rolle als bisher.

Weil die enge Bauweise des Hauses eine Erschließung für Rollstuhlfahrer nicht überall ermöglicht, bietet das Erdgeschoss einen eigenen Raum für mobilitätseingeschränkte Personen an. Hier sowie im liebevoll gestalteten Prologfilm im Eingangsbereich lassen sich die Inhalte des Museums kostenfrei erfahren. Ein spezielles Pädagogikprogramm der Augsburger Musikvermittlungsstelle MEHR MUSIK!, das sich uneingeschränkt an alle Schülerinnen und Schüler richtet, rundet das Konzept ab.

LEOPOLD MOZART

Leopold Mozart wuchs im Augsburger Domviertel auf, sein Vater war Buchbindermeister. Für einen Handwerkerssohn eher unüblich, ging Leopold auf das Jesuitenkolleg St. Salvator, wo er eine umfassende humanistische, naturwissenschaftliche, sprachliche und musische Bildung bekam. Hier wurden die Grundlagen für sein gesamtes Leben gelegt. Leopold zog fürs Studium nach Salzburg, wurde dort zunächst Kammerdiener und später Hofmusiker im Dienste des Fürsterzbischofs. Neben der Musik galt Leopolds Interesse auch sämtlichen anderen Aspekten des Lebens: Philosophie, Kunst, Erfindungen, Kleidung, Essen, Naturphänomenen, Sprachen, Menschen und verschiedenen Kulturen. Das wird in seinen unzähligen Briefen deutlich, die ein einzigartiges Bild seiner Zeit vermitteln.

Sein Versuch einer gründlichen Violinschule ist nicht nur ein geniales Lehrbuch, sondern bietet ein komplettes Musikkompendium der Zeit. Die Violinschule, die Leopold in Augsburg drucken ließ, ist auch Ausdruck seiner großen musikpädagogischen Fähigkeiten, die er nicht nur seinen eigenen Kindern zugutekommen ließ. Man muss sich fragen, was aus Wolfgang geworden wäre, wenn er einen anderen Vater ohne dessen einzigartige Fähigkeiten und Interessen gehabt hätte? Ein guter Musiker bestimmt, aber dieses Wunderkind? Sicher nicht. Es lohnt sich allemal, den ganzen Leopold Mozart kennenzulernen und nicht nur den Vater von Wolfgang Amadeus. Leopold ist eine eigenständige Persönlichkeit, die zwar untrennbar mit seinem Sohn verbunden bleiben wird, aber dennoch viel mehr zu bieten hat.

AUGSBURG, DIE VATERSTADT DER MOZARTS

Die Mozarts sind eine schwäbische Familie, deren berühmtestes Mitglied der Komponist Wolfgang Amadé Mozart werden sollte. Sein 1719 in Augsburg geborener Vater Leopold Mozart war der Entdecker, einzige Erzieher, Musiklehrer und 'Manager' von Wolfgang Amadé. In Augsburg erhielt Leopold seine Bildung und jene musikalische Ausbildung, die er an seinen Sohn weitergab. 

Wolfgang Amadé war fünf Mal (1763, 1766, 1777, 1781 und 1790) in der Vaterstadt. 1777 erlebte er hier bei einem zweiwöchigen Aufenthalt sein erstes erotisches Abenteuer mit seiner Augsburger Cousine Maria Anna Thekla Mozart. Daraufhin entstanden Mozarts berühmte deftige "Bäsle-Briefe".